Syndicate
14.09.2006 Leserbrief zum Thesenpapier Managed Care – Kontrahierungszwang SÄz No.36. p1533 ff
Persönlich fühle ich mich – als Spezialist und Facharzt für Dermatologie - nur meinen Mandanten – nämlich den Patienten verpflichtet. Nicht den Versicherern, nicht dem BSV, nicht Herrn BR Couchepin und schon gar nicht irgendwelchen Netzwerken. Diese betrachte ich auch nicht als meine „Partner“, an einen Partner habe ich mindestens den Anspruch, dass er mich als Gegenüber ernst nimmt, und mich nicht nur als Befehlsempfänger seiner oft willkürlichen Entscheide sieht.
Der Patient - Steuerzahler und Prämienzahler zugleich - kommt für die Gesundheitskosten direkt oder indirekt auf. Er bezieht eine Gesundheitsleistung direkt von mir, sei es Beratung oder aktive Behandlung durch seinen Behandlungsauftrag an mich. Für diese Leistung stelle ich ihm Rechnung nach Tarif, so wie ich es und der Patient als richtig empfinden.
Nun will man mir weismachen, dass unter „Managed Care“ für die Ärzte alles besser wird.
Ich halte das für eine Phantasie: Die einzigen die von einem solchen System profitieren werden, sind die willfährigen ewig im Voraus gehorchenden neuen Manager und ihre Organisationen sowie die Versicherer, weil die, dank der zentraleren Organisation, mit Hilfe der Netzwerker die Preise noch mehr drücken können.
Kollegen die nicht mitmachen wollen, bleiben vor der Tür, der Willkür der Netzwerker wird Tor und Tür geöffnet. Die spezialisierten Freiberufler und die Patienten bleiben auf der Strecke, das freie Gesundheitssystem gibt es nicht mehr.
Der jetzige suboptimale Vertag, sprich das was am Ende des Jahres aufgrund dieses Tarifes an Minutenlohn übrig bleibt, wird kaum besser oder mehr werden (eigentlich eines freien akademischen Berufes mit sehr hohem sozioökomischen Stellenwert unwürdig, sind Banker und Ökonomen in unserer Gesellschaft tatsächlich 5 – 8 mal wichtiger als Ärzte?).
Da kommen nun die Vorschläge der „breitabgestützten“ Arbeitsgruppe: Endlich habe ich jetzt neben der GD, dem BAG, dem BSV, der Heilmittelkontrolle, des SAS auch noch Manager in Form von Grundversorgern an meiner Seite, welche mir wahrscheinlich neben weiteren qualitativen und weiterbildnerischen Vorschlägen auch noch tarifarisch auf die Sprünge helfen werden. Wenn man nur schon einzelne Begriffe im vorgestellten Papier wie zum Beispiel „Entwicklungswerkstatt“ , „Koordination der Patienten „aus einer Hand““, „Differenzierung der Kontrahierung durch Ärztenetzwerke“ liest, weiss man aus welcher politischen Ecke diese Ideen kommen. Es kommen Erinnerungen an Ärzte-Kolchosen auf.
Meine Meinung: Wir sind ein freier Beruf, was fehlt ist ein freier Wettbewerb und freie Tarife, der Markt und somit der Patient oder eben Kunde entscheidet (Prozessqualität gegen Prozesskosten). In den städtischen Agglomerationen wollen sowieso die wenigsten Patienten ein „gate-gekeeptes“ Gesundheitswesen – gerade aus Effizienzgründen nicht, denn auch für meine Bankerpatienten gilt: Zeit ist Geld.
Zu guter Letzt zur „breitabgestützten“ Gruppe: 17 Teilnehmende zählt die Gruppe. Darunter finden sich: 10 Allgemeinmediziner, 1Pädiater, 1Internist, 2 Chirurgiechefärzte öffentlichrechtlicher Spitäler,1 Gynäkologe, der Präsident des College for Management und 1Psychiaterin.
Alles klar, Herr (Polit-)Kommissar?
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